Lesegewohnheit trotz vollem Alltag

Wie ich es schaffe, wieder regelmässig zu lesen – auch wenn der Tag eigentlich keine Lücke dafür hat

„Ich würde ja so gerne mehr lesen, aber ich habe einfach keine Zeit.“ Diesen Satz habe ich selbst lange gesagt. Ich höre ihn bis heute ständig, von Freundinnen, in Kommentaren, in meinem eigenen Kopf an stressigen Tagen. Dabei geht es beim Thema Lesegewohnheit aufbauen selten wirklich um fehlende Zeit. Meistens sind es nur ein paar kleine, falsch gesetzte Trigger im Alltag.

Ich habe lange geglaubt, dass Lesen einen freien Abend, ein ruhiges Sofa und mindestens eine Stunde am Stück braucht. Mit diesem Anspruch bin ich lange Zeit nicht über die ersten dreissig Seiten eines Buches hinausgekommen, das eigentlich richtig gut war. OMG, wie viele Bücher sind so auf meinem Nachttisch verstaubt. Nur weil ich auf den perfekten Moment gewartet habe, der einfach nie kam.

Warum „keine Zeit“ selten das eigentliche Problem ist

Wenn ich ehrlich in meinen Tag reinschaue, finde ich fast immer irgendwo fünf Minuten. In der Warteschlange, auf dem Klo, bevor der Kaffee fertig ist und auf jeden Fall die letzten Minute vorm Einschlafen. Die Zeit findet sich meistens. Was fehlt, ist die Gewohnheit, sie fürs Lesen zu nutzen, statt automatisch zum Handy zu greifen.

Genau das war für mich der Wendepunkt. Nicht „Ich brauche eine Stunde am Stück“, sondern „Ich brauche einen festen Trigger, an dem ich automatisch zum Buch statt zum Handy greife.“

Kennst Du das? Du legst Dich hin, eigentlich nur für fünf Minuten Handy. Und auf einmal ist eine halbe Stunde vorbei, ohne dass Du sagen könntest, was Du überhaupt gelesen oder geschaut hast. Genau diese Automatismen wollte ich umlenken, nicht abschaffen. Der Griff bleibt derselbe, nur das Ziel ändert sich.

Das ist übrigens auch der Grund, warum Vorsätze wie „ich lese jetzt mehr“ bei mir früher nie funktioniert haben. Ein Vorsatz allein ändert keinen einzigen Handgriff im Alltag. Erst als ich mir ganz konkrete Situationen vorgenommen habe, hat sich wirklich etwas verschoben. Situationen, in denen ich ganz bewusst das Buch statt des Handys greife.

Vier kleine Gewohnheiten, um Deine Lesegewohnheit aufzubauen

Die 5-Minuten-Regel

Du musst kein Kapitel am Stück schaffen. Fünf Minuten lesen sind fünf Minuten mehr als gar keine, und sie summieren sich schneller, als man denkt. Ein Buch mit 300 Seiten ist nach drei Wochen durch, wenn Du täglich nur 15 Minuten dranbleibst. Das Schöne daran: Diese Regel funktioniert auch an Tagen, an denen wirklich alles drunter und drüber geht. Fünf Minuten finden sich fast immer, selbst wenn eine ganze Stunde utopisch klingt.

Lesen statt Scrollen vorm Einschlafen

Die letzten Minuten vorm Licht ausmachen gehören bei den meisten von uns dem Handy. Leg es einmal bewusst weg und das Buch stattdessen aufs Nachttischchen. Der Trigger ist derselbe, Bett, Ruhe, Zeit für Dich, nur der Inhalt ändert sich. Kleiner Tipp aus eigener Erfahrung:

Eine gedimmte, warme Leselampe direkt am Bett macht den Umstieg deutlich leichter. Du musst dafür kein grelles Deckenlicht mehr anschalten. Ich nutze dafür inzwischen eine kleine *Clip-Leselampe, die ich einfach an den Buchdeckel klemme. Das klingt nach einer Kleinigkeit. Bei mir hat es aber den Unterschied gemacht, ob ich abends wirklich zum Buch greife oder doch wieder zum Handy.
Side-Fact: die Leuchte ist sehr reisetauglich 😉

Clip-Leselampe Buch

Hörbücher für die Zwischenzeiten

Beim Kochen, Autofahren, Bügeln oder Spazierengehen sind Deine Augen beschäftigt, Deine Ohren aber meistens nicht. Genau da passt ein Hörbuch rein, ganz ohne zusätzliche Zeit im Kalender. Für mich war das lange der grösste Gamechanger. Ich habe dadurch Zeit zum Lesen „gewonnen“, die vorher einfach ungenutzt verpufft ist.

Das Buch immer griffbereit

Wenn Dein Buch in der Tasche oder auf dem Handy als E-Book dabei ist, nutzt Du automatisch die kleinen Lücken, die sich sowieso ergeben. Die Bahn kommt zu spät, das Wartezimmer ist voll. Ohne Buch in Reichweite passiert in diesen Minuten meistens gar nichts Sinnvolles. Seit ich einen leichten E-Reader oder mein iPad in der Handtasche habe, gibt es für mich keine Ausrede mehr mit „das Buch war zu schwer zum Mitnehmen“

Kindle-E-Reader-marysworldone

Warum ich lieber öfter kurz statt selten lang lese

Früher dachte ich, „richtig“ lesen bedeutet, sich einen ganzen Abend freizuschaufeln. Das Problem: Dieser eine perfekte Abend kam einfach nie. Seit ich stattdessen auf viele kleine Lese-Momente setze, komme ich unterm Strich sogar auf mehr Lesezeit als früher, nur eben verteilt statt geballt.

Nebenbei ist das auch entspannter für den Kopf. Wenn Du weisst, dass fünf Minuten schon zählen, entsteht gar nicht erst der Druck, „jetzt aber auch wirklich lange“ lesen zu müssen. Genau dieser Druck war bei mir früher oft der Grund, ein Buch gar nicht erst aufzuschlagen. Ich wusste ja unbewusst: Für „richtig“ reicht die Zeit heute sowieso nicht.

Falls Du wissen willst, warum sich Lesen für mich unabhängig von der Menge lohnt, findest Du das ausführlich in meinem Artikel

👉🏼Bücher lesen = Wirbel👈🏼

Die richtigen kleinen Helfer machen den Unterschied

Ich bin ja seit über 30 Jahren Personal Stylistin, und was für Kleidung gilt, gilt für mich genauso fürs Lesen. Die richtigen kleinen Tools nehmen Dir die Hürden aus dem Weg, bevor sie überhaupt entstehen. Es geht nicht darum, Dir eine ganze Leseecke einzurichten, sondern um zwei, drei Dinge, die den Griff zum Buch leichter machen als den Griff zum Handy.

Bei Kleidung sage ich meinen Kundinnen immer: Häng die Teile, die Du morgens wirklich anziehen willst, sichtbar nach vorne in den Schrank. Nicht zwischen fünfzig anderen verstecken. Beim Lesen ist es genau dasselbe Prinzip. Leg das Buch dahin, wo Du sowieso hinschaust, und räum das Handy so weit weg, dass der Griff danach nicht mehr die bequemste Option ist.

Neben der Leselampe und dem E-Reader von oben ist das bei mir ein kleines *Notizbuch, in dem ich Lieblingszitate und Seitenzahlen festhalte. Das klingt erstmal nach einer Nebensache. Aber ehrlich: Ein Buch, in dem Du Sätze markierst und später wiederfindest, fühlt sich gleich viel mehr nach „meins“ an, statt nur nebenbei konsumiert zu werden.

Notizbuch-Sigel

Mein Alltag heute im Vergleich zu früher

Vor mittlerweile sehr vielen Jahren sah mein typischer Abend so aus: Handy in der Nähe und etwas TV nebenbei. Irgendwann Licht aus, mit dem Gefühl, den Abend komplett verdaddelt zu haben. Das Buch auf dem Nachttisch? Blieb geschlossen, Woche für Woche, obwohl ich es mir eigentlich wirklich vorgenommen hatte.

Heute sieht es anders aus, und zwar nicht, weil ich plötzlich mehr Zeit hätte. Der Tag hat für uns alle 24 Stunden, aber ich gehe früher ins Bett und lasse das Handy im Wohnzimmer. Dieselben Minuten vor dem Einschlagen sind heute anders verplant. Das Buch liegt griffbereit statt des Handys. Und wenn ich mal zehn Minuten auf einen Termin warte, ist der E-Reader oder das Buch schneller gezückt als früher die Social-Media-App.

Das Ergebnis, ganz ehrlich: Ich lese heute mehr Bücher im Jahr als in meiner gesamten Studienzeit zusammen. Und das, obwohl mein Alltag mit Blog und allem drumherum eher voller als leerer geworden ist. Das glaubt mir keiner, wenn ich es erzähle. Aber es liegt wirklich nur an diesen kleinen Umlenkungen, nicht an mehr Zeit.

Was dabei geholfen hat: Ich habe mir nicht vorgenommen „ab morgen lese ich jeden Tag eine Stunde“, sondern einfach eine einzige Situation im Alltag verändert. Der Rest kam nach und nach von allein dazu, ungefähr so, wie es auch mit anderen Alltagsgewohnheiten läuft.

Dein Fahrplan für die ersten 5 Minuten

Wenn Du das Ganze direkt ausprobieren willst, statt nur darüber zu lesen: In meinem hinterlegtem Guide 👉🏼 „Die 5-Minuten-Lesegewohnheit„ 👈🏼 zeige ich Dir Schritt für Schritt, wie Du trotz vollem Alltag wieder regelmässig zum Buch greifst. Inklusive der Trigger, die bei mir am besten funktioniert haben.

Fang einfach mit einer der vier Gewohnheiten oben an. Du musst nicht alles gleichzeitig umstellen, die erste Fünf-Minuten-Session zählt schon.

Deine Fragen zur Lesegewohnheit im Alltag

Was, wenn ich nach fünf Minuten schon einschlafe?

Dann hast Du trotzdem gewonnen. Genau das ist ja der Sinn der Lesen-statt-Scrollen-Gewohnheit vorm Einschlafen: Du willst gar nicht wach bleiben, um mehr zu lesen, sondern ruhiger einschlafen als mit hellem Handy-Display vorm Gesicht. Wenn Du irgendwann über dem Buch wegnickst, war die Zeit trotzdem sinnvoller genutzt als beim Scrollen.

Zählt ein Hörbuch überhaupt als „richtiges“ Lesen?

Ganz klar ja. Die Geschichte, die Sprache, die Bilder im Kopf, all das entsteht genauso wie beim gedruckten Buch. Der einzige Unterschied ist der Kanal, über den die Worte bei Dir ankommen. Wenn Dir Hörbücher helfen, überhaupt wieder regelmässig in Geschichten einzutauchen, ist das kein „Lesen light“, sondern eine vollwertige Lesegewohnheit. Ich wechsle mittlerweile ganz bewusst zwischen beidem, je nachdem, was gerade in meinen Tag passt.

Was, wenn ich mein Buch ständig vergesse mitzunehmen?

Das war lange auch mein grösstes Problem, bis ich auf ein E-Book beziehungsweise einen E-Reader umgestiegen bin, der sowieso mit in der Handtasche liegt. Wenn Dir das zu viel Technik ist, reicht auch ein kleines Taschenbuch. Lass es dauerhaft in einem bestimmten Fach Deiner Tasche wohnen, damit Du gar nicht mehr aktiv daran denken musst.

Ich habe schon so viele andere Gewohnheiten, die ich ändern will. Wie fange ich an, ohne mich zu überfordern?

Nimm Dir wirklich nur eine der vier Gewohnheiten vor, nicht alle gleichzeitig. Ich würde mit „Lesen statt Scrollen vorm Einschlafen“ starten, weil der Trigger, Bett, Licht aus, sowieso schon jeden Abend da ist. Du tauschst dabei nur den Gegenstand in Deiner Hand aus. Nach ein, zwei Wochen kommt die nächste Gewohnheit fast von allein dazu.

Wie lange dauert es, bis sich das wie eine echte Gewohnheit anfühlt?

Bei mir waren es ungefähr drei bis vier Wochen, bis ich abends automatisch zum Buch statt zum Handy gegriffen habe, ohne bewusst daran zu denken. Das deckt sich mit dem, was man über Gewohnheitsbildung generell liest. Wichtiger als die genaue Anzahl Tage ist aber, dass Du nach einem ausgelassenen Abend nicht gleich aufgibst, sondern am nächsten Tag einfach weitermachst.

Muss ich für all das extra Geld in neue Bücher, Hörbücher oder Gadgets stecken?

Nein, überhaupt nicht. Die 5-Minuten-Regel und das Buch griffbereit zu haben, funktionieren mit jedem Buch, das Du sowieso schon zuhause hast oder Dir in der Bibliothek leihst. Und ganz ehrlich, mittlerweile gibt es an so vielen Ecken die zauberhaften Bücherhäuschen, wo man sich ein Buch herausnehmen kann, was eine andere Person dort hineingestellt hat. Leselampe, E-Reader oder Hörbuch-Abo sind natürlich Komfort-Upgrades. Sie machen den Einstieg leichter, sind aber keine Voraussetzung. Fang ruhig mit dem an, was Du bereits besitzt, und ergänze erst später, wenn Du merkst, wo bei Dir wirklich eine Hürde liegt.

Fazit: Lesegewohnheit aufbauen passt auch in einen vollen Alltag

Du brauchst keinen freien Nachmittag und keinen perfekten Lesesessel, um Deine Lesegewohnheit aufzubauen. Du brauchst vier kleine Trigger, an denen Du automatisch zum Buch statt zum Handy greifst, und ein bisschen Geduld, bis sich das eingespielt hat. Die Zeit dafür hast Du fast immer schon, sie steckt nur gerade noch woanders.

Am meisten hilft dabei, klein anzufangen. Nicht „ich lese jetzt jeden Abend eine Stunde“, sondern „ich lege heute Abend das Handy weg und nehme stattdessen mein Buch mit ins Bett“. Dieser eine Wechsel reicht als Startpunkt vollkommen aus, alles andere entwickelt sich mit der Zeit fast von selbst.

Fang heute mit einer einzigen Gewohnheit an, egal mit welcher. Und falls Du magst, hol Dir meinen kostenlosen Guide dazu, dann hast Du den ganzen Fahrplan direkt zur Hand. Ich freu mich, wenn Du in ein paar Wochen genauso überrascht bist wie ich damals, wie viel sich allein durch diese vier kleinen Änderungen liest.

🧡🧡🧡

das könnte Dir auch gefallen…